Ch[a]rita / السِّيس - Programm jetzt online!

08. Mai 2018

Ch[a]rita / السِّيس ist ein Programm aus künstlerischen Interventionen, Dialogen, (Film-)Vorführungen und Workshops auf öffentlichen Plätzen sowie verschiedenen Räumen in der Stadt Marrakech. Das Madrassa Collective und zeitraumexit haben das Programm in Zusammenarbeit mit der Galerie LE 18 im Rahmen des SUPERCOPY-Festivals kuratiert.

Nachdem in Mannheim mit Bazar der Grundstein gelegt wurde, folgt nun Ch[a]rita / السِّيس und ergründet den methodologischen und konzeptuellen Fokus von SUPERCOPY in Bezug auf Kopien, Aneignung, Übersetzungen und Remixing im sozialen, kulturellen und wirtschaftspolitischen Kontext von Marrakesh. Künstler*innen aus Europa, Nordafrika und des Nahen Ostens sind eingeladen, die gegenwärtige und zukünftige Identität der Stadt zu erfragen, neu zu erfinden und zu erforschen. In diesem Zusammenhang steht auch die Geschichte der Stadt als Schnitt- und Sammelstelle für einen auf zahlreichen Ebenen stattfindenden Austausch, der Identitäten generiert, die einer kontinuierlichen Neuverhandlung, Kontamination und Transformation ausgesetzt sind.

Ch[a]rita / السِّيس ist nach einem Kinderspiel benannt – vergleichbar dem deutschen „Himmel und Hölle“ - das auf der Straße im öffentlichen Raum gespielt wird und gleichzeitig soviel wie Linie oder Grenze bedeutet. Ch[a]rita / السِّيس ist eine Ansammlung von Linien, Verbindungen, Überschneidungen, die Quadrate erzeugen, Räume produzieren und Spielräume erstellen selbst dort, wo diese üblicherweise nicht vorkommen. Es passt sich der Straße an und gestaltet dadurch seine Funktion und Arbeitsweise. Hiervon inspiriert erforscht das Projekt spielerisch die komplexen Verhältnisse zwischen Stadtzentrum und Stadtrand, die Zirkulation, Transformation und kompetitive Wiederaneignung künstlerischer und kultureller Praktiken und den Prozess der Institutionalisierung eines kollektiven Gedächtnisses mit dem Versuch die bestehende Politik der kulturellen Autorität zu hinterfragen und neu zu formen. Die künstlerischen Interventionen, Dialoge, (Film-)Vorführungen und Präsentationen entwickeln einen metareflexiven Blick auf die Rolle, den Geltungsbereich, die Methoden und die Wirkung kultureller Institutionen. Darüber hinaus, bemüht sich Ch[a]rita / السِّيس die vorherrschende Stadtdynamik aufzubrechen, um neue Zuschauergruppen zu erreichen, indem es sich kulturelle Formen, die konventionell als unbedeutend und populär wahrgenommen und daher oft verworfen werden, auf spielerische Weise aneignet und diese neu übersetzt. Durch das Einrichten seines Hauptsitzes in LE 18, versucht das Programm daher, räumliche Kontexte anzulegen, in denen zeitgenössische Kunst und performative Praktiken normalerweise nicht entstehen.