Du sollst dir ein Bild machen

Das Erinnern an den deutschen Faschismus und die Bekämpfung seiner aktuellen Erscheinungsformen ist der Gründungsauftrag der Bundesrepublik Deutschland. Aber wie erinnern, wenn die Zeitzeug*innen sterben oder die Opfer zum Schweigen gebracht werden? Das Programm "Du sollst dir ein Bild machen - Über Völkermord, Erinnerung und Widerstand" zeigt in Ausstellungen, Gesprächen und Lesungen aktuelle künstlerische und dokumentarische Ansätze, sich dem Vergessen entgegenzustellen.

17.9.2020 | 19:00 Uhr | Eröffnung der Ausstellung „Die Angehörigen“

Vernissage. In Deutschland werden jährlich zahlreiche Menschen Opfer rassistischer Gewalttaten. Das Ausstellungsprojekt "Die Angehörigen" von Jasper Kettner und Ibrahim Arslan porträtiert Menschen, die mit dem Verlust ihrer Familienmitglieder oder Freund*innen durch rassistische Gewalt leben und durch die mangelnde Aufklärung dieser Morde zusätzlich leiden müssen. Das begleitende Buch entstand in Zusammenarbeit mit Ibrahim Arslan, Aktivist und Überlebender des rassistischen Brandanschlags in Mölln 1992.

18.9.2020 | 19:00 Uhr | Gott hat mit mir etwas vorgehabt! | Ort: RomnoKher - B7, 16

Film und Lesung. Die Sinteza Zilli Schmidt wurde 1924 in Thüringen geboren und lebt heute in Mannheim. Im nationalsozialistischen Deutschland überlebte sie das Vernichtungslager Auschwitz, wo fast ihre gesamte Familie ermordet wurde. Aus dem Konzentrationslager Ravensbrück gelang ihr im Februar 1945 die Flucht. Sie ist heute eine der Letzten, die als Erwachsene den Völkermord an den Sinti und Roma Europas überlebt hat und davon Zeugnis ablegen kann. Vor wenigen Monaten erschienen ihre Lebenserinnerungen in der Buchreihe der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.Film und Lesung mit Carmen Yasemin Zehetmeier.

19.9.2020 | 19:00 Uhr | Podiumsdiskussion zur Ausstellung „Die Angehörigen“

Wie kann Fotografie an Gewalttaten erinnern? Wie lässt sich die Leerstelle abbilden, die ein Mord im Leben der Angehörigen hinterlässt? Jasper Kettner und Ibrahim Arslan sprechen mit der Historikerin und Kuratorin Miriam Zlobinski über politische Erinnerungsarbeit und die Macht und Ohnmacht der Bilder. Moderation: Sevda Can Arslan.

20.9.2020 | 17:00 Uhr | Verleihung des Kultur- und Ehrenpreises der Sinti und Roma | Ort: RomnoKher - B7, 16

Preisträgerin 2020: Soraya Post (Romani-Bürgerrechtsaktivistin, feministische Politikerin und ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments aus Schweden). Seit 2014 vergibt der VDSR-BW den Kultur- und Ehrenpreis der Sinti und Roma für besondere Verdienste in den Bereichen Kultur, Bildung und Bürgerrechte. Mit dem Staatsvertrag in Baden-Württemberg erfahren Sinti und Roma Anerkennung auf Augenhöhe. Doch Sinti und Roma sind auch immer noch „die am stärksten diskriminierte Minderheit Europas“ (Ministerpräsident Winfried Kretschmann). Das Engagement für Sinti und Roma, für ihre gleichberechtigte Teilhabe in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur, bleibt eine unverzichtbare Aufgabe. Dieses Engagement, sowohl von Menschen mit als auch ohne Romani-Background, will der VDSR-BW mit diesem Preis auf besondere Weise öffentlich würdigen. Die Preisverleihung findet immer am Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung von Sinti und Roma auf dem Territorium des heutigen Deutschland (20. September 1407 in Hildesheim) statt. Die Preisträgerinnen und Preisträger unseres Kultur- und Ehrenpreises kommen nicht nur aus dem Südwesten, sondern haben sich in ganz Deutschland und Europa für die Minderheit eingesetzt.

24.9.2020 | 19:00 Uhr | RomArchive | Ort: RomnoKher - B7, 16

Vortrag. RomArchive, das digitale Archiv der Sinti und Roma, macht Künste und Kulturen der Sinti und Roma sichtbar und veranschaulicht ihren Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte. Durch von Roma und Sinti selbst erzählten Gegengeschichten schafft RomArchive eine im Internet international zugängliche, verlässliche Wissensquelle, die Stereotypen und Vorurteilen mit Fakten begegnet. Mit: André Raatzsch (Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma). 

3.10.2020 | 17:00 - 18:30 Uhr | Gemeinsam gegen das Vergessen

Abschlusspräsentation des Sommerworkshops mit Luigi Toscano. Der Mannheimer Fotograf Luigi Toscano fotografiert auf der ganzen Welt Überlebende des Holocaust. Zum ersten Mal begleiten ihn dabei Jugendliche in einem zweimonatigen Workshop und berichten über die Zusammenarbeit und diskutieren mit der Aktivistin Verena Lehmann (Initiative Sinti-Roma-Pride).

3.10.2020 | 19:00 Uhr | Lebendige Erinnerungsarbeit: „Gegen das Vergessen“ in Wien 

Podiumsdiskussion. Luigi Toscanos Porträts von Holocaust-Überlebenden waren schon in New York, Washington DC, Kiew oder Berlin zu sehen. Als die Ausstellung in Wien von Rechtsradikalen angegriffen wurde, formierte sich ziviler Widerstand. Junge und alte Menschen bewachten die Bilder und griffen zu Nadel und Faden, um die Portraits wiederherzustellen. Aus einer Ausstellung wurde eine politische Manifestation und soziale Zusammenkunft. Bei der Podiumsdiskussion sprechen die Wiener Aktivist*innen Asma Aiad (Muslimische Jugend Wien) und Pamina Puls (Theater Nesterval) mit der Kulturwissenschaftlerin Hilke Berger (HafenCity Universität Hamburg) und dem Publikum über lebendige Erinnerungsarbeit und die Kunst des Widerstands

Teil des gemeinsamen Veranstaltungsprogramms "Du sollst dir ein Bild machen" von zeitraumexit und RomnoKher in Zusammenarbeit mit OFF//FOTO Festival / Teil der einander.Aktionstage 2020

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